Über mich
Kunst beginnt für mich dort, wo das vordergründig Sichtbare endet.
Ich erschaffe Gemälde, die nicht nur zeigen, was sichtbar ist, sondern sichtbar werden lassen, was scheinbar unsichtbar bleibt.
Meine Bilder entstehen aus dem Spannungsfeld zwischen Sichtbarem und Verborgenem. Sie sind keine Abbilder der Wirklichkeit, sondern Einladungen, hinter ihre Oberfläche zu blicken.
Mein Weg
Meine künstlerische Entwicklung ist geprägt von der Suche nach Formen, Symbolen und Bildern, die über das unmittelbar Sichtbare hinausführen.
Geboren in Zürich, begann mein Weg zur Malerei denkbar unspektakulär. Als Kind konnte ich mir mein Taschengeld verdienen, indem ich für meinen Vater Zeichnungen anfertigte. Für jedes sorgfältig ausgeführte Bild erhielt ich zehn oder zwanzig Rappen. Was zunächst eine kleine Pflicht war, entwickelte sich mit den Jahren zu einer Leidenschaft. Ermutigt durch die positive Resonanz in der Schule und im Freundeskreis begann ich immer intensiver zu zeichnen und zu malen. Als Autodidakt führte mich diese Begeisterung auf einen eigenen Weg – unabhängig von einer klassischen Kunstausbildung und offen für Experimente.
Früh setzte ich mich mit den unterschiedlichsten Stilrichtungen auseinander. Ich studierte die Werke der Symbolisten und Surrealisten, später beeindruckten mich insbesondere Francis Bacon und vor allem Michael Andrews. Seine Landschaften der Themsemündung faszinieren mich bis heute: Aus der Distanz erscheinen sie wie abstrakte Kompositionen aus Farben und amorphen Formen; erst bei längerer Betrachtung offenbart sich eine überraschend konkrete Wirklichkeit. Diese Erfahrung hat mein eigenes künstlerisches Denken nachhaltig geprägt.
Parallel zur Malerei begleitete mich die Literatur. Das Studium der Germanistik, meine Tätigkeit als Schriftsteller sowie die intensive Beschäftigung mit Autorinnen und Autoren wie Franz Kafka, Heinrich von Kleist, Ingeborg Bachmann oder Paul Celan haben meinen Blick auf Kunst entscheidend erweitert. Mich interessiert nicht die exakte Wiedergabe der Realität, sondern ihre poetische Verdichtung. Meine Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Abstraktion und einer Wirklichkeit, die sich erst allmählich erschliesst.
Ein zentrales Gestaltungsmittel meiner Werke ist das Licht. Reflexionen, Schatten und leuchtende Farbkontraste verändern ein Bild fortwährend. Je nach Tageszeit, Blickwinkel oder Beleuchtung entstehen neue Akzente und Zusammenhänge. Meine Gemälde besitzen deshalb keine einzige endgültige Erscheinungsform – sie verändern sich mit dem Licht und laden immer wieder zu einer neuen Betrachtung ein.
Auch die Motive bleiben bewusst offen. Eine Brandung kann zugleich an einen Engel erinnern, ein Felsen an ein menschliches Gesicht, eine Bucht an das griechische Omega. Türen öffnen sich nicht nur in einen Raum, sondern in die Welt der Literatur. Viele meiner Werke verbinden Malerei mit reliefartig eingearbeiteten Objekten aus Holz oder Ton. Ich arbeite überwiegend mit Acrylfarben und ergänze die Bildfläche durch plastische Elemente, wodurch Malerei und Skulptur miteinander verschmelzen.
Die Verbindung verschiedener Kunstformen begleitet mich seit vielen Jahren. Neben der Malerei habe ich Theater inszeniert und Bühnenbilder entworfen. Wie auf einer Bühne interessiert mich auch auf der Leinwand das Zusammenspiel von Bild, Raum, Sprache und Musik. Immer wieder finden sich deshalb Gedichte, Bücher oder literarische Anspielungen in meinen Arbeiten – manchmal offen sichtbar, manchmal erst beim zweiten Blick.
Meine Werke waren unter anderem in der Alten Kaserne Winterthur sowie in verschiedenen weiteren Ausstellungen zu sehen. Mit dem Atelier Vertesi erfülle ich mir nach meiner beruflichen Tätigkeit den Wunsch, mich noch intensiver der Kunst zu widmen. Nicht wirtschaftlicher Erfolg steht dabei im Vordergrund, sondern die Freude am schöpferischen Prozess und an der Begegnung mit Menschen, die bereit sind, sich auf Bilder einzulassen, die mehr zeigen, als sie auf den ersten Blick preisgeben.